Welche Trading-Signale schlagen den Markt wirklich?
30 Strategien gegeneinander getestet, ĂŒber alle 815 Symbole aus 5 Chart-Bibliotheken (Aktien, Funds, Forex, Crypto, GBonds), 5 Jahre Wochenkerzen (bzw. Tageskerzen fĂŒr die Runde-5-Strategien, siehe unten). Runde 4 deckt das komplette klassische Bloomberg-TAS-Toolkit ab, Runde 5 testet zehn Strategien aus dem eigenen GEMINI-OS-Stack einzeln und ehrlich statt ĂŒber einen Kamm geschert â darunter Stop-or-Time-Exits (Broker-AI, §7), eine Stop-and-Reverse-Variante (§8) und ein gefundener & behobener Lookahead-Bug samt unabhĂ€ngiger Large-Cap-NachprĂŒfung (§9). Kein Backtest-Theater: bereinigte Daten, geflaggte AusreiĂer, ehrliche StichprobengröĂen.
1 · Ranking â alle Strategien im Vergleich
Nur Strategien mit â„30 Trades gesamt (sonst zu kleine Stichprobe). GBonds sind hier ausgeschlossen, da sich Prozentpunkt- und Prozent-Renditen nicht sinnvoll mitteln lassen â sie erscheinen separat im Bibliotheks-Heatmap unten.
2 · Alle Kennzahlen im Detail
Sortierbar per Klick auf die SpaltenĂŒberschrift. Profit-Faktor-Balken auf das Feldmaximum normiert.
â Trefferquote bei HA-Flip-Varianten ist strukturell garantiert (Heikin-Ashi-Open ist telescopierter Mittelwert, dadurch innerhalb einer Farbserie beweisbar monoton) â kein gemessenes Performance-Signal. Empirisch gegengeprĂŒft an 4 live geladenen Symbolen (Aktie/Aktie/Crypto/Forex), 0 Gegenbeispiele bei 236 Trades. AussagekrĂ€ftig sind hier Ă Return und Median, nicht die Trefferquote.
3 · Kosten-RealitĂ€t â ĂŒberlebt die Strategie Spread & Kommission?
Konservative Retail-Annahmen pro Anlageklasse (Round-Trip, d.h. Einstieg + Ausstieg zusammen): Aktien/Indizes 0.15%, Forex 0.03%, Krypto 0.2%, Fonds 0.5%, GBonds 0.02 Pp. Von jedem einzelnen Trade abgezogen, nicht vom Durchschnitt â Strategien mit vielen kleinen Trades trifft es also hĂ€rter als Strategien mit wenigen groĂen.
4 · Walk-Forward â hĂ€lt die Strategie auĂerhalb der Trainingsdaten?
Die letzten 2 Jahre wurden als Test-Fenster zurĂŒckgehalten; alles davor ist Training. Strategien, die auf SMA200 basieren (MACRO, Golden Cross, HA-Flip+Trendfilter, RSI-MR+Trendfilter), haben in beiden ~2-3-Jahres-Fenstern zu wenige Trades fĂŒr eine Aussage und werden als "nicht testbar" markiert statt mit einer bedeutungslosen Zahl versehen. SaisonalitĂ€t fehlt hier bewusst ganz â sie leitet ihre Regel aus dem Fenster ab, das sie handelt, das ist kein echter Walk-Forward-Test (siehe Methodik). 808 von 815 Symbolen hatten genug Historie fĂŒr beide Fenster.
5 · Nach Bibliothek â wo funktioniert welche Strategie?
Ă Return pro Trade, farbcodiert relativ innerhalb jeder Strategie-Zeile (GrĂŒn = beste Bibliothek fĂŒr diese Strategie, Rot = schlechteste). GBonds-Werte sind Prozentpunkte (Pp), alle anderen Prozent â direkt vergleichbar nur innerhalb einer Zeile, nicht spaltenĂŒbergreifend zwischen GBonds und dem Rest.
6 · Top & Bottom Symbole je Strategie
Mindestens 3 Trades. Unplausibel extreme Einzeltrades (>1000% bzw. >15 Pp) wurden vor der Anzeige entfernt und werden unten ausgewiesen.
7 · Broker-AI â ausgestoppt oder planmĂ€Ăig zur Kalendergrenze geschlossen?
Broker-AI ist im Original vier separate Zeitfenster-Regelwerke (Realtime/Daily/Weekly/Monthly). Kein Target-Exit mehr (Version 2 dieser Strategie) â jede Position wird entweder vorzeitig ausgestoppt, oder planmĂ€Ăig zu einer festen Kalendergrenze geschlossen: Realtime zum selben Tagesschluss, Daily zum nĂ€chsten Tagesschluss, Weekly zum letzten Handelstag der Woche, Monthly zum letzten Handelstag des Monats. Der Stop wird tĂ€glich gegen Hoch/Tief geprĂŒft (nicht nur Schlusskurs).
8 · Stop-and-Reverse â hilft das Drehen der Position?
Variante von §7: statt bei einem Stop glatt zu stellen, dreht die Position sofort in die Gegenrichtung â neuer Entry exakt zum Stop-Preis, frischer Stop nach derselben Logik, dieselbe Kalendergrenzen-Zeitplanung ab dem neuen Entry. Die Kette lĂ€uft weiter, bis ein Leg planmĂ€Ăig zur Kalendergrenze schlieĂt (max. 3 Drehungen pro Kette als Deckel). Jede einzelne Drehung zĂ€hlt als eigener Trade.
9 · Realtime Large-Cap-Verifikation
HĂ€lt der korrigierte Realtime-Edge (Profit-Faktor 1,11 ĂŒber alle 815 Symbole) auch auf einem unabhĂ€ngigen Satz bekannter, liquider Blue Chips? 27 Large-Caps (US-Mega-Caps + DAX-Schwergewichte, nicht kuratiert um ein Ergebnis zu begĂŒnstigen), getrennt von der Runde-5-Hauptauswertung nachgerechnet.
Methodik & Vorbehalte
Warum HA-Flip fast 100% Trefferquote hat
Eine Heikin-Ashi-Farbstrecke ist per Konstruktion eine geglĂ€ttete Trendphase â der Streak endet exakt dann, wenn sich der Trend dreht. Das Risiko steckt nicht in Verlust-Trades, sondern in der Handelsfrequenz und seltenen, schmerzhaften Whipsaws. Median und Ă Return sind hier aussagekrĂ€ftiger als die Trefferquote.
Was RSI-MR tatsÀchlich misst
Kein kurzfristiger Bounce-Trade, sondern ein seltenes Regime-Signal â die Position bleibt bestehen, bis RSI das nĂ€chste Extrem in die andere Richtung erreicht, im Schnitt ~84 Wochen. Eher âseit dem letzten Extremwert auf der richtigen Seite" als âDip kaufen, in ein paar Tagen verkaufen".
RSI-MR + Trendfilter ist nicht auswertbar
Nur 7 Trades gesamt â das Stapeln von zwei seltenen Bedingungen (RSI-Extrem UND SMA200-TrendĂŒbereinstimmung) reduziert die Trefferzahl auf praktisch nichts. Lehrbuchbeispiel: mehr Filter ergeben nicht automatisch ein besseres, sondern oft nur ein kleineres und unzuverlĂ€ssigeres Ergebnis.
Bollinger bestÀtigt: RSI ist nicht generisch
Bollinger-Band Mean-Reversion (zweite, unabhĂ€ngige Contrarian-Methode) schneidet spĂŒrbar schlechter ab als RSI. RSIs Erfolg scheint also nicht "Mean-Reversion funktioniert generell" zu sein, sondern zumindest teilweise RSI-spezifisch oder an die gewĂ€hlten Parameter gebunden.
â Donchian-Breakout kollabiert Out-of-Sample
Train-Fenster: Ă +6.1%/Trade. Test-Fenster (letzte 2 Jahre, nie gesehen): Ă â21.1%/Trade. Das ist das deutlichste Warnsignal in diesem gesamten Backtest â eine Strategie, die im Training gut aussieht und im Test kollabiert, ist der Lehrbuchfall fĂŒr Overfitting oder einen simplen Regimewechsel (Breakout-Systeme brauchen TrendmĂ€rkte; die letzten 2 Jahre könnten seitwĂ€rtslastiger gewesen sein). HA-Flip und RSI-MR bleiben dagegen in beiden Fenstern robust positiv.
Stochastic und Williams %R sind identisch (kein Bug)
Beide Strategien liefern in Runde 4 exakt dieselbe Zahl (Ă â1.60%, n=8.442, PF 0.82) â das ist eine mathematische IdentitĂ€t, keine Kopierpanne: Williams %R = Stochastic %K â 100, und unsere symmetrisch gewĂ€hlten Schwellen (20/80 bzw. â80/â20) landen exakt auf denselben Regimewechseln. Zwei Indikator-Namen, eine Information â als unabhĂ€ngige BestĂ€tigung zĂ€hlt das Paar nur einmal.
Das klassische Bloomberg-TAS-Toolkit enttÀuscht flÀchendeckend
MACD, Momentum, Stochastic/Williams %R, OBV, Parabolic SAR, Triple-SMA und Keltner â sieben der acht am weitesten verbreiteten Lehrbuch-Indikatoren â liegen alle im Ă-Minus. Nur CCI und DMI/ADX schaffen ein knappes Plus. Die zwei Strategien, die tatsĂ€chlich live im Terminal stecken (HA-Flip, RSI-MR), sind beide keine Bloomberg-Standardindikatoren â ein Hinweis, dass "bekannt und weit verbreitet" hier eher gegen als fĂŒr einen Edge spricht (viele Marktteilnehmer beobachten dieselben Signale).
â Broker-AI Realtime hatte einen echten Lookahead-Bug â jetzt behoben
Nutzerfrage "wird bei Realtime der Open-Kurs als Einstiegskurs genommen?" deckte auf: das Signal wurde aus demselben Tag berechnet (Kurs vs. Tages-Hoch/Tief-Mitte), dessen Open-zu-Close-Rendite es vorhersagen sollte â der Tagesschluss war bei Entry noch gar nicht bekannt. Kein ZirkularitĂ€ts-Grenzfall, echtes Lookahead. Behoben: das Signal nutzt jetzt ausschlieĂlich den VORHERGEHENDEN, vollstĂ€ndig abgeschlossenen Tag. Ergebnis nach dem Fix: Profit-Faktor fĂ€llt von 5,58 auf 1,11 â der ursprĂŒngliche Wert war fast vollstĂ€ndig der Bug. Details zur Large-Cap-NachprĂŒfung in §9.
Broker-AI: Zeit-Exit dominiert bei allen vier Zeitfenstern deutlich
Realtime 25,9% Stop vs. 74,1% Zeit-Exit, Daily 20,2% vs. 79,8%, Weekly 21,7% vs. 78,3%, Monthly 20,4% vs. 79,6%. Ohne Target-Deckel (Version 2 dieser Strategie) lĂ€uft die deutliche Mehrheit der Positionen bis zur planmĂ€Ăigen Kalendergrenze durch, statt vorzeitig auszustoppen â Daily/Weekly/Monthly liegen dadurch alle knapp im Plus (Profit-Faktor 1,02â1,06). Details in §7.
Stop-and-Reverse: hilft bei Daily/Weekly/Monthly, schadet bei Realtime
Position drehen statt glattstellen verbessert Daily (PF 1,06â1,41), Weekly (1,05â1,16) und Monthly (1,02â1,08) spĂŒrbar â bei Realtime dagegen kollabiert der Profit-Faktor von 1,11 auf 0,35. ErklĂ€rung: Realtime-Drehungen prĂŒfen wiederholt dieselbe EINE Tagesspanne gegen verschobene Stop-BĂ€nder (kein simulierter Intraday-Pfad, den haben wir aus Tages-OHLC nicht) â das ist mechanisches Peitschen, keine echte neue Information wie bei den mehrtĂ€gigen Zeitfenstern. Details in §8.
Runde 5: Momentum-Score und Denarius â ehrliches, gemischtes Bild
Beide proprietĂ€ren Strategien (aus dem GEMINI-OS-Stack, auf Tagesbasis statt Wochenbasis) zeigen dieselbe Struktur: asymmetrische Trades (Ă Gewinn +7,2â7,5% vs. Ă Verlust nur â2,3â2,5%), aber eine Trefferquote von nur ~22â25% reicht bei mechanischem Auto-Flip nicht ganz, um das auszugleichen (Ă â0,08% bis â0,14%/Trade brutto). Crypto ist bei beiden der einzige durchgehend positive Bereich (+0,76â0,77%). Wichtiger Vorbehalt, der fĂŒr diese zwei Strategien mehr zĂ€hlt als fĂŒr den Rest des Kompendiums: unser Backtest handelt jeden Signalwechsel automatisch â die Originaltools sind als Entscheidungs-Dashboard fĂŒr einen Menschen gedacht, nicht zwangslĂ€ufig als Auto-Trader. Bei ~78.000â96.000 Trades ĂŒber 5 Jahre (Ă Haltedauer nur 8â10 Tage) ist das ein relevanter Unterschied, kein Nebendetail.
Kosten-Adjustierung und Walk-Forward-Split sind jetzt Teil des Backtests (§3/§4 oben) â was weiterhin fehlt: Portfolio-Ebene (PositionsgröĂen kommen aus der Risk-Engine, nicht von hier), Meta-Labeling und mehrere unabhĂ€ngige Marktregime-Fenster statt einem Train/Test-Split. Das Ranking zeigt eine Tendenz, keinen Beweis. Rohdaten: research/signal-backtest-data.json