Frage: Die Charts-Bot-Engine und die Signal-Charts-Galerie zeigen RSI-, Bollinger-, SMA-Cross-, MACD- und
Candlestick-Signale an. Funktionieren die auch, oder sind das nur hübsche Linien? Dieser Report testet jedes
Signal real gegen 16 Jahre Kursdaten, statt es zu behaupten.
99/99SYMBOLE VERWENDET
2009-01-01DATEN AB
417.741GEPRÜFTE TAGE (10D-HORIZONT)
11SIGNALTYPEN × 3 HORIZONTE
Methodik
Für alle 99 Symbole (die gleiche kuratierte Liste wie in der Signal-Charts-Galerie: US-Blue-Chips,
Crashed-High-Yield-Werte, deutsche Immobilien-AGs, Dow-Jones-Sektorindizes, Forex-Majors, Bond-ETFs) wurden
tägliche OHLCV-Daten ab 2009-01-01 vom selben Proxy geladen, den auch die Terminals nutzen. Pro Symbol
wurden RSI 14 (Wilder), MACD (12,26,9), Bollinger-Bänder (20,2), SMA 20/50 und zehn klassische Candlestick-Muster
(Hammer, Bullish/Bearish Engulfing, Piercing Line, Dark Cloud Cover, Morning/Evening Star, 3 White Soldiers/Black
Crows — Doji/Spinning Top bewusst ausgeschlossen, da in früheren Tests dieser Session als neutral identifiziert)
über die gesamte Historie berechnet, nicht nur am letzten Balken. Jedes historische Auftreten eines Signals
wurde erfasst, und die tatsächliche Forward-Rendite nach 5/10/20 Handelstagen gemessen.
Als Baseline dient die (ungefilterte) Forward-Rendite über alle 417.741
gültigen Tage im selben Datensatz — "Edge" ist die Differenz Signal-Mittelwert minus Baseline-Mittelwert. Für jedes
Signal/Horizont wurde ein Welch-t-Test gegen die Baseline-Verteilung gerechnet (✓ = p<0,05).
Wichtige Einschränkung: Der Zeitraum 2009–2026 ist ein historisch außergewöhnlich starker US-Aktien-Bullenmarkt
(Baseline-Rendite +0,35% / +0,70% / +1,41% über 5/10/20 Tage — deutlich über einem "normalen" langfristigen Mittel).
Alle Ergebnisse sind also relativ zu dieser Baseline zu lesen, nicht als absolute Aussage über "Aktien steigen nach
X". Außerdem sind die Signal-Ereignisse nicht unabhängig voneinander (dasselbe Symbol liefert oft mehrere,
zeitlich nahe beieinanderliegende Signale, und die 5/10/20-Tage-Fenster überlappen sich) — die p-Werte sind damit
tendenziell optimistischer (kleiner) als bei wirklich unabhängigen Stichproben. Transaktionskosten, Slippage und
Spread sind nicht modelliert.
Ergebnisse
| Signal |
5 TAGE | |
10 TAGE | |
20 TAGE |
| N | Ø Rendite | Edge | Trefferquote | Sig. | |
N | Ø Rendite | Edge | Trefferquote | Sig. | |
N | Ø Rendite | Edge | Trefferquote | Sig. |
| RSI 14 Überverkauft (<30) |
4.283 |
+0.67% |
+0.32% |
57.9% |
✓ | | 4.271 |
+1.06% |
+0.37% |
58.8% |
✓ | | 4.234 |
+2.21% |
+0.81% |
62.2% |
✓ |
| RSI 14 Überkauft (>70) |
8.605 |
+0.19% |
-0.15% |
46.7% |
✓ | | 8.602 |
+0.53% |
-0.17% |
44.8% |
✓ | | 8.597 |
+1.04% |
-0.37% |
43.5% |
✓ |
| Bollinger-Ausbruch unter unteres Band |
11.048 |
+0.44% |
+0.10% |
44.2% |
✓ | | 11.038 |
+0.89% |
+0.19% |
42.8% |
✓ | | 10.996 |
+2.08% |
+0.67% |
39.6% |
✓ |
| Bollinger-Ausbruch über oberes Band |
14.298 |
+0.26% |
-0.09% |
53.4% |
✓ | | 14.290 |
+0.60% |
-0.10% |
55.6% |
— | | 14.279 |
+1.22% |
-0.19% |
57.1% |
✓ |
| Bollinger-Squeeze (Volatilitäts-Kompression) |
73.329 |
+0.32% |
-0.02% |
— |
— | | 73.200 |
+0.66% |
-0.04% |
— |
— | | 72.944 |
+1.38% |
-0.03% |
— |
— |
| Golden Cross (SMA20 kreuzt SMA50 aufwärts) |
4.542 |
+0.50% |
+0.15% |
56.0% |
✓ | | 4.542 |
+0.89% |
+0.20% |
58.1% |
✓ | | 4.539 |
+1.58% |
+0.17% |
59.1% |
— |
| Death Cross (SMA20 kreuzt SMA50 abwärts) |
4.532 |
+0.38% |
+0.03% |
43.9% |
— | | 4.524 |
+0.87% |
+0.17% |
42.7% |
— | | 4.507 |
+1.60% |
+0.19% |
40.7% |
— |
| MACD Bullish Cross |
16.846 |
+0.26% |
-0.09% |
53.9% |
✓ | | 16.820 |
+0.60% |
-0.10% |
55.4% |
✓ | | 16.792 |
+1.36% |
-0.05% |
57.7% |
— |
| MACD Bearish Cross |
16.858 |
+0.31% |
-0.04% |
46.2% |
— | | 16.844 |
+0.54% |
-0.15% |
44.7% |
✓ | | 16.826 |
+1.26% |
-0.14% |
43.2% |
✓ |
| Candlestick bullisch (Hammer/Engulfing/Morning Star/Piercing/3 Soldiers) |
41.250 |
+0.25% |
-0.10% |
53.9% |
✓ | | 41.193 |
+0.55% |
-0.14% |
55.4% |
✓ | | 41.117 |
+1.22% |
-0.19% |
57.1% |
✓ |
| Candlestick bärisch (Shooting Star/Engulfing/Evening Star/Dark Cloud/3 Crows) |
40.882 |
+0.46% |
+0.12% |
44.5% |
✓ | | 40.836 |
+0.81% |
+0.11% |
43.3% |
✓ | | 40.727 |
+1.56% |
+0.15% |
41.3% |
✓ |
Trefferquote = % der Fälle in Signal-Richtung (bullisch: Kurs höher nach N Tagen; bärisch: Kurs tiefer). Edge = Signal-Ø minus Baseline-Ø für denselben Horizont.
Was wirklich funktioniert hat
RSI-Überverkauft ist das stärkste, konsistenteste Signal im ganzen Test. Edge wächst mit dem Horizont
(+0,32% → +0,37% → +0,81%), bei allen drei Horizonten hochsignifikant (p<0,002), Trefferquote steigt von 58%
auf 62%. Mean-Reversion nach echter Überverkauft-Lage funktioniert in diesem Datensatz real.
Bollinger-Ausbruch unters untere Band verhält sich wie RSI-Überverkauft, nicht wie ein Bären-Fortsetzungssignal.
Statt weiter zu fallen, erholt sich der Kurs im Schnitt überdurchschnittlich (+0,10% → +0,19% → +0,67% Edge, alle
signifikant, p≈0 bei 20 Tagen). Trefferquote "weiter fallend" sinkt sogar von 44% auf 40% je länger man wartet —
die Bounce-Wahrscheinlichkeit nimmt mit der Zeit zu, nicht ab.
RSI-Überkauft und oberer Bollinger-Ausbruch zeigen das spiegelbildliche, schwächere Muster: beide
unterbieten die Baseline konsistent über alle drei Horizonte (RSI-Überkauft: -0,16% / -0,17% / -0,37% Edge, alle
signifikant). Als Warnsignal für nachlassendes Momentum funktionieren sie — nur schwächer ausgeprägt als ihr
Pendant auf der Unterseite.
Was NICHT so funktioniert wie oft behauptet
Death Cross ist in diesem Datensatz kein funktionierendes Verkaufssignal. Bei keinem der drei Horizonte
statistisch signifikant (p=0,64 / 0,058 / 0,15), und die Richtung ist sogar verkehrt: die Rendite nach einem
Death Cross liegt im Mittel über der Baseline, nicht darunter. Nur 41–44% der Fälle zeigen tatsächlich
einen fallenden Kurs danach — der Death Cross markiert in diesem Sample tendenziell eher einen Boden als den
Start eines weiteren Abverkaufs. Golden Cross dagegen zeigt bei 5/10 Tagen einen echten, signifikanten, wenn
auch bescheidenen Vorsprung (+0,16% / +0,20%), der bei 20 Tagen nicht mehr signifikant ist (p=0,19).
Klassische Candlestick-Muster liefern in diesem großen Sample keine Edge in die erwartete Richtung — eher
das Gegenteil. "Bullische" Muster (Hammer, Bullish Engulfing, Morning Star, Piercing Line, Three White
Soldiers) unterbieten die Baseline bei allen drei Horizonten, hochsignifikant (-0,10% / -0,14% / -0,19% Edge,
p<0,0001). "Bärische" Muster (Shooting Star, Bearish Engulfing, Evening Star, Dark Cloud Cover, Three Black
Crows) tun das Gegenteil von dem, was man erwarten würde: die Rendite danach liegt über der Baseline
(+0,11% bis +0,15%, signifikant), und nur 41–44% der Fälle fallen tatsächlich. Mit 40.000+ Vorkommen pro
Richtung ist das kein Zufallsrauschen — die populäre Lesart "bärisches Muster = verkaufen" hält in diesem
langfristigen, mehrheitlich bullischen Sample schlicht nicht.
MACD-Kreuzungen und Bollinger-Squeeze sind schwache bzw. keine eigenständigen Signale. MACD-Bull/Bear-Cross
zeigen kleine, bei 5–10 Tagen meist signifikante, aber bei 20 Tagen meist verschwindende Effekte (±0,05–0,16%
Edge) — brauchbar als zusätzlicher Kontext, nicht als alleiniges Signal. Bollinger-Squeeze allein zeigt bei
keinem Horizont eine signifikante Richtung (p=0,15 / 0,10 / 0,41) — exakt wie erwartet, da eine
Volatilitäts-Kompression per Definition nur sagt "etwas passiert bald", nicht in welche Richtung.
Einordnung
Das Gesamtbild: Extremwerte auf der Unterseite (RSI-überverkauft, unterer Bollinger-Ausbruch) zeigen die
robusteste, am stärksten mit dem Horizont wachsende Edge — klassische Mean-Reversion. Trendfolge-Signale
(Golden/Death Cross) und Candlestick-Muster funktionieren dagegen deutlich schwächer als ihr Ruf, teils sogar in
die Gegenrichtung des Namens. Das deckt sich mit einem bekannten Muster aus der quantitativen Literatur: lagging,
bestätigende Signale (die erst nach einer bereits laufenden Bewegung auslösen) liefern in stark trendbehafteten
Bullenmärkten tendenziell wenig zusätzlichen Wert gegenüber einfachem Investiertsein, während Extremwert-Signale
(die eine Übertreibung markieren) eine echte, messbare Mean-Reversion-Komponente behalten.
Rohdaten: 33 Signal/Horizont-Zeilen, vollständiges JSON auf Anfrage einsehbar. Kein Backtest
dieser Art ersetzt Risikomanagement, Positionsgrößen-Logik oder Kosten-/Slippage-Modellierung — die Zahlen zeigen
statistische Tendenz, keine handelbare Strategie.
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